Heute lies es sich recht langweilig an. Die üblichen Sachen mit verspäteter Abfahrt, wegen Reparatur am Zug, und fehlendem Zugteil mit Überfüllung ab Leipzig waren schon absolviert, als unser Zug vor Erfurt unerwarteter Weise im Schnee stehen blieb.
Nach wenigen Minuten kam die Aufklärung. Im Streckenabschnitt vor uns liegt ein defekter Zug, der nicht überholt werden kann, Wartezeit ca. 30 bis 40 Minuten.
Huch, das war neu.
Viele Fahrgäste fingen schon an Ihre Verbindungszüge und Umsteigezeiten zu checken. Da ich heute, das fehlte noch in der obigen Aufzählung, ohnehin nur bis Frankfurt fahren würde, und ab dort eine S-Bahn nehmen musste, blieb mir dieser Stress erspart. Hoffe ich zumindest, denn in Hessen herrschte ja seit letzter Nacht Schneechaos. Kinder mussten in den Schulen übernachten und solche schlimmen Dinge.

Aber bereits nach 10 Minuten rollte unser ICE wieder an, und eine hörbar erleichterte Zugbegleiterin verkündete, dass der defekte Zug vorerst wieder rollen würde. Vielleicht nur ein Batterie-Reset nötig. 😉

Wenn der Zug vor uns Erfurt erreicht, haben wir gute Chancen vorbeizukommen. Wenige Kilometer vor Erfurt, wieder ein Stopp. Die Spannung steigt. Ansage diesmal prompt: „Alle Einfahrgleise in Erfurt belegt.“
Tja, ein bisschen Streckenausbau in den letzten Jahrzehnten hätte vielleicht nicht geschadet.

Danke, Habeck!

(Ich gehe mal fest davon aus, dass meine wenigen Leser die Ironie der letzten Aussage erkennen. Für die vielleicht Unverständigen, der Spruch ist eine Fortsetzung des beliebten „Danke, Merkel!“, wenn es darum geht Politikern die Schuld für einen Umstanden zuzuschieben, für den sie wenig bis gar nicht dafür verantwortlich sind. Aber „Danke Merkel!“, wäre ja falsch gewesen, denn ein bisschen mehr Schuld muss man ihr hier schon zugestehen. Obwohl dem Habeck eigentlich auch, denn immerhin haben es die Grünen versäumt, das wichtige Verkehrsressort mit einem der ihren zu belegen und haben sich dafür vermeintlich prestigeträchtigere Ministerien wie Außenpolitik und Wirtschaft in den Koalitionsverhandlungen ausbedungen. Keine Ahnung was das sollte, klar sind die Außenminister die beliebtesten Politiker in Deutschland, aber wenn man dafür als Grüne in den Krieg ziehen muss, kann das nicht gut gehen.)

So genug, salbadert, es soll aber in 10 Minuten weitergehen.
Neue Aussage: „Zu viele verspätete Züge, weiterhin kein Gleis frei.“
Die Leute beginnen schon wieder mit dem Verbindungscheck. (Nebenbei freue ich mich schon auf die Rückfahrt, Zugbindung ist schon aufgehoben, vermeldet der Navigator.)
Er vermeldet auch 16:56 Uhr Ankunft in Erfurt, das wäre dann aber doch etwas erheblich später (ca. 30 Minuten) als angekündigt. Wir sind ja auch nur ein ICE aus der Provinz in die Provinz, da kann man schon mal warten.

Wenn es wenigstens Netz geben würde…

Mittlerweile sind auch zwei Züge aus der Gegenrichtung an uns vorbei gerauscht, da muss doch langsam ein Gleis frei sein. Ach, nein der defekte Zug vor uns sorgt immer noch für Stau. Die gute Nachricht: Auch der ICE nach Stuttgart und der nach München stehen an. Sogar hinter uns, das garantiert, dass diese Züge erreicht werden. Ich habe aber den Eindruck, dass die meisten Mitreisenden in Frankfurt umsteigen wollen.
Dann rollen wir mal wieder ein paar Meter weiter, im Schleichtempo, mit dem Rad wäre ich definitiv schneller. Leider verbessert sich die Netzsituation durch die Fortbewegung nicht. Dann wieder Stillstand.
Eine neue Erkenntnis, immer wenn die Zugbegleiterin sagt, dass sie keine Informationen habe und nicht wisse, wann es weitergeht, rollt der Zug wieder ein Stück. Vielleicht sollte sie häufiger Durchsagen machen.

17:40 Uhr – wir haben Erfurt erreicht, sauber 80 Minuten Verspätung.
Die Reise geht relativ unspektakulär weiter und die Ankunft in Frankfurt erfolgt mit 4 Minuten Vorlauf zur S-Bahn. Also wieder mal Rennsportstunde.

Das positive Ende der Reise mit ca. 90 Minuten Verspätung: Mein Zimmer im Hotel ist weg. Überbucht. Dafür erhalte ich ein kostenloses Upgrade und darf ein Zimmer mit mehr Komfort beziehen. Da überlege ich ja glatt, ob ich den allfälligen Entschädigungsantrag bei der Bahn vielleicht mal weglasse?
Nee, mache ich nicht. 😉

Wichtiger Hinweis an die Kollegen vom Bordrestaurant: Die warme vegane Brezel gehört nicht auf eine Serviette. Da klebt sie fest und man hat noch eine reichlichen Vorrat Ballaststoffe beim Verzehr.