nur ein weiteres Tagebuch

Schlagwort: Frankfurt

17.11.23 Rückfahrt

Diese Reise wird mir vermutlich längere Zeit in Erinnerung bleiben. Nach der Hinfahrt im Streikbeginn, war das nun die Rückfahrt am Tag nach dem Streikende. Natürlich konnte es nicht so funktionieren, wie normal. Wobei eigentlich war es doch normal. 😉

In Wiesbaden hüpfte ich in eine S-Bahn nach Frankfurt, weil die Bahn den ICE Wiesbaden-Dresden irgendwie im Herbst aus dem Programm nimmt. Keine Ahnung, ob das nun dauerhaft ist oder so wie letztes Jahre, wenn ich mich recht erinnere, nur für einen begrenzten Zeitraum. Mein ICE sollte um 14:44 Uhr in Frankfurt starten.
Die Nachwehen ahnend, machte ich mich lieber so auf den Weg, dass ich mindestens eine Stunde Reserve haben würde.
In Wiesbaden auf dem Bahnhof war dann auch deutlich mehr Leben, als am Ankunftstag. Wie erwartet, war der S-Bahn-Verkehr noch einigermaßen aus dem Takt und so nahm ich die erste S-Bahn Richtung Frankfurt. Damit sollte ich fast 50 Minuten vor Abfahrt in Frankfurt sein.
Natürlich nahm ich die Linie, die am längsten braucht, war ja klar. Und kurz nach dem Bahnhof Wiesbaden kamen wir auch schon gleich mal zum Stehen.
Das Polster war aber großzügig berechnet und so war ich zwar etwas verspätet, aber im Umsteigefenster in Frankfurt.
Wer den Frankfurter Hauptbahnhof kennt, weiss ja um die Strecke vom Tiefbahnhof (S-Bahn) zu den Bahnsteigen in der Halle. Auf Grund der Bauweise hat der Aufgang zum Bahnhof auch etwas Staupotential, wenn sich eine volle S-Bahn entlädt.
Man kann für den Umstieg auch mehr als 10 Minuten benötigen, wenn man am falschen S-Bahn-Ende sitzt und vielleicht nach Bahnsteig 24 – Abschnitt E-F muss. Mit Treppenstau auch gern noch ein paar Minuten mehr.

Ich hatte einigermaßen Glück und stand gegen kurz vor Zwei an meinem Bahnsteig. An der Tafel stand allerdings noch ein Zug nach „Irgendwo“ mit Abfahrtszeit 14:06 Uhr. Kann ja mal passieren. Er kam irgendwann und fuhr auch wieder ab. Da war es dann aber auch schon 14:40 Uhr. Okay, das würde wieder etwas später losgehen.
14:50 Uhr hielt wieder ein ICE am Bahnsteig , aber wieder nicht meiner. Durchsage: Mein ICE würde etwa 20 Minuten später abfahren.

Hab ich es nicht gesagt?! Grund der Verspätung: Eine behördliche Maßnahme. Was ist das denn?
Dann fuhr der falsche ICE wieder ab und unser Zug erschien wieder auf der Anzeigetafel. Wenige Minuten später verschwand er wieder von der Tafel und die Einfahrt eines RE wurde angekündigt, der dann auch kurze Zeit später kam. Er fuhr dann wieder aus und schwupps war es schon 15:20 Uhr und mein ICE sollte inzwischen 15:25 Uhr abfahren. So wird das doch nichts.
„Pling“, machte der Navigator: Abfahrt 15:45 Uhr. Sauber, eine Stunde Verspätung und das schon wieder am Startbahnhof.

Durchsage: Der ICE fährt jetzt am Gleis 7 ab, nicht am Gleis 6. Na, bloß gut. Also eine 180°-Wende und 5 Schritt nach vorn gemacht. Das war ja einfach.
Er kommt, wird geentert und fährt jetzt 2 Minuten zu früh ab, also nur 59 Minuten verspätet, wollte ich schreiben.
Die Bahn ist aber immer für einen Scherz gut, denn der Navigator weist für die Fahrt, am Zielbahnhof in Dresden trotzdem nur sechs Minuten Verspätung aus.

Das ist ein ambitioniertes Ziel, der Marke Tiefflug oder so. Es sollen alle Zwischenstationen angefahren werden. Das kann nicht funktionieren.

Bahnmathematik! Fahrtzeit 4 Stunden 46 Minuten, Ausstieg in 3 Stunden49 Minuten. Zeitdilatation! Zwar nur Bruchteile der Lichtgeschwindigkeit, aber ob das die Gleise und die Radreifen aushalten.

Wenige Minuten nach der Abfahrt wird das Ticket kontrolliert. Vorab gibt es aber ein Stück Schokolade und den Hinweis auf kostenlos bereitgestelltes Wasser im Bistro. Ehrlich, mir wäre nach anderthalb Stunden Bahnsteig eher nach einem heißen Tee gewesen. Sei es drum, die Schokolade schmeckt und die Begleiterin offeriert mir, dass ich in Leipzig leider den Zugteil wechseln müsste, weil meiner außerplanmäßig in Leipzig verbleiben würde. Ich nahm es gelassen, die Stunde könnte ich notfalls auch im Bistro stehen, spätestens ab Erfurt tut mir sowieso der Hintern weh.
Die Ruhe mit der ich die Botschaft aufnahm, veranlasste die Schaffnerin, mir noch ein Stück „Lieblings-Gast-Schokolade“ zu offerieren. Ich nahm dankend an.

Wir erfuhren auch den Grund für die einstündige Verspätung. In Frankfurt hatte es eine Suizid-Androhung gegeben, weswegen alle Züge vor und im Bahnhof warten mussten. Und bis der Stau aufgelöst war, war eben eine Stunde um.

Ob es an meiner Liebenswürdigkeit lag oder zum normalen Service gehört, kann ich nicht mehr sagen, aber kurz vor Eisenach war sie wieder da und teilte mir mit, dass ich doch nicht umsteigen müsse. Aktuell würde der Zug wieder komplett nach Dresden fahren. Das „aktuell“ untermalte sie mit einem Augenzwinkern. Es ist herzerwärmend, wie sich Bahnreisende und -bedienstete verstehen.
Etwas Schlummern und Gotha ist erreicht. Durchsage unseres (Tatsache!) niederländisch-stämmigen Ansagers (Der klang wirklich wie Rudi Carell.) ob denn eventuell ein Polizist an Bord sei, der mal in den Wagen 21 kommen könne. Man habe wieder „liebe“ Gäste an Bord. Auweia.
In Erfurt dann die offizielle Mitteilung, dass der Zug im Stück nach Dresden fährt. Schade, wird doch nichts mit dem Bistro. Ich durfte doch, faulerweise, auf meinen vier Buchstaben sitzen bleiben.
Ach so, die App hatte inzwischen die Ankunftszeit auf 20:27 Uhr korrigiert. Das wäre recht fies, denn 57 Minuten Verspätung wären ja nur die kleine Entschädigung.
Aber was machte ich mir Sorgen. Zwischen Leipzig und Riesa kamen die erforderlichen drei Minuten noch hinzu.
Schon wieder ein Gutschein von der Deutschen Bahn.
Ich mag das.

15.11.23 – Mein erster Streik

Es sollte mein erstes direktes Streikerlebnis werden. Der Klaus von der GDL hatte am Dienstag kurzerhand verkündet, dass man ab dem Mittwoch (meinem Reisetag) um 22:00 Uhr streiken würde.

Mmh, hieß das, ab 22:00 Uhr fahren keine Züge mehr ab, oder um 22:00 Uhr bleiben alle Züge stehen?
Am Mittwoch teilte mir der Navigator mit, mein Zug fiele schon vorher aus, wegen Reparatur. Nein, doch nicht, nur würde er erst ab Leipzig fahren und dann auch nur bis Frankfurt.

Ankunft in Frankfurt 21:03 Uhr, Abfahrt S-Bahn 21:35 Uhr: Hui, das könnte knapp werden, denn die Ankunft der S-Bahn war für 22:10 in Wiesbaden geplant. Das hieße je nach Auslegung: „normal Ankommen“, „Stranden in Mainz“ oder „Stranden in Frankfurt“.
Mainz machte mir jetzt keine Angst, da gibt es Busverbindungen und Brücken über den Rhein, da muss ich nicht schwimmen, aber eine Nicht-Zug-Verbindung nachts von Frankfurt nach Wiesbaden kam mir ziemlich tricky vor, zumal ich mir in den Nahverkehrs-Netzen dieses Ballungsraums verloren vorkam.
Die Chance auf eine Beratung und Hilfe, war angesichts der Menge der Hilflosen sicher auch nicht schnell und einfach zu kriegen.

Aber der Reihe nach.

Der Navigator hob die Zugbindung auf und mir war es nunmehr erlaubt, mit allen verfügbaren Mitteln nach Wiesbaden zu kommen.
Als erstes also nach Leipzig. Der Ersatz ICE war pünktlich und kam auch pünktlich in Leipzig an. Aber der ICE nach Frankfurt war nicht sehen.

Moment, doch da steht ja ein verschämter halber ICE im Bahnhof. Der Ersatzzug für die paar Dresdner war doppelt so lang, wie das ICEchen, dass uns und „Millionen“ Leipziger nach Frankfurt bringen sollte. Also gut, ursprünglich war das Endziel ja Saarbrücken, aber der Zug würde in Frankfurt enden.
Das bestätigte leider meinen Verdacht, dass alle Züge nur bis 22:00 Uhr fahren würden, oder eben gar nicht mehr losfahren, wenn das Ziel nicht bis dahin erreicht werden kann.
Ich nahm meine Platz ein und wunderte mich etwas über eine Servietten-Phalanx oberhalb des Fensters. Ich überging es erst mal schulterzuckend, es gab auch keine Hinweise auf negative Vorkommnisse an meinem Platz.
Während wir durch den Südosten der Republik schuckelten, prüfte ich immer wieder meine Optionen. Ab etwa Erfurt fielen die Linien S1 und S9 aus und die S8 wurde auf stündlichen Fahrverkehr verkürzt. Das wäre relativ egal, dann wäre es etwas Wartezeit, aber ich würde noch nach Wiesbaden kommen.
Spätestens ab Bad Hersfeld war klar, auch keine S8 würde mehr den Bahnhof in Frankfurt verlassen. Aber die VIAS würde weiterfahren. Hoffnung.
Zwischen Bad Hersfeld und Fulda hielt die Serviettenphalanx dem Druck des Kondenswassers der Klimaanlage nicht mehr stand und steter Tropfen (von der Decke) nässte mein Bein, und meine rechte Körperhälfte.
Ich machte mich davon. Aber diesmal war der Zug wirklich extrem voll und ich blieb einfach im Bordbistro bei den „Verlorenen“ stehen.
In Fulda stieg ein junger Mann zu, Anfang der Zwanziger würde ich schätzen. Offenes Herz und offen kommunikationsfreudig.
Nach der Begrüßungsdurchsage, fiel ein Schatten auf sein Gesicht. „Fährt der Zug gar nicht nach Hannover?“ – „Nein, der fährt nach Frankfurt.“ – „Ach du Scheixxe, welche Station ist denn die nächste zum Aussteigen?“ – „Frankfurt Hauptbahnhof.“ – „OMG, wie, komme ich denn da heute noch nach Hannover?“ – „Mmhhh… Mit der Bahn jedenfalls nicht, die streikt ab 22:00 Uhr.“ – „Oh, dann lasse ich mich abholen, oder nehme einen Mietwagen, oder ich warte auf den ersten Zug.“
Das sind natürlich alles Optionen. Zumindest für den Zug konnte ich mitteilen, dass gegen 6:45 Uhr aktuell noch ein Zug nach Hannover fahren könnte, wenn er nicht zwischenzeitlich gecancelt werden sollte.
Er guckte noch nach Mietwagen und Carsharing und führte auch noch zwei Telefonate.
Einen Kräutertee später verabschiedete er sich und verschwand im Zug.
Ich konzentrierte mich wieder auf meinen Reiseverlauf.

Mit reichlich Verspätung kamen wir in Frankfurt an. Der Bahnhof war fast leer, es war auch schon 21:45 Uhr. Alles zu, kaum Züge auf den Bahnsteigen und überwiegende Absenz von Menschen. Die Mitreisenden verstreuten sich ziemlich schnell und ich machte mich auf zu Gleis 23, weil dort um 21:55 Uhr mein VIA fahren sollte.
Es waren noch reichlich Menschen vor Ort und an der Anzeigetafel stand er auch.
Während des Wartens, hörte man ununterbrochen die Ansagen zu den ausgefallenen Fahrten.
Gegen 22 Uhr rollte er dann auch ein und alles nahm Platz im Inneren.
Ich hatte einen Sitzplatz direkt neben der Tür zum Führerstand und als unsere Zugführerin kam, hörte ich aus der Kanzel jede Menge Gespräch. Im einzelnen habe ich das nicht verstanden, aber mir schwante ob der Länge dieser Wortwechsel nichts gutes.
22:10 Uhr – „Liebe Fahrgäste, es tut mir sehr leid, aber ich darf den Bahnhof nicht mehr verlassen, da der Streik auch die Fahrdienstleitungen erfasst hat. Ich muss den Zug jetzt in das Depot bringen, und bitte Sie auszusteigen.“
Erst mal sammeln und überlegen, wie das Problem jetzt zu lösen sein könnte, aber es stellte sich keine rechte Idee ein, außer Übernachtung in Frankfurt.
Während ich so ganz langsam am Bahnsteig langtrotte und anderen zuhöre die Fahrgemeinschaften bilden wollen, oder die Information erstürmen wollen, erschallt es aus den Zuglautsprechern: „Liebe Fahrgäste. Bitte steigen Sie wieder ein, die Fahrdienstleitung hat die Fahrt freigegeben. Bitte wieder einsteigen!“.
Schwupps saß ich wieder drinnen. Keine Ahnung, wie viele Fahrgäste aus den vordersten Wagen inzwischen schon aus dem Bahnhof verschwunden waren, aber ich hatte das Gefühl, dass es doch etwas weniger waren, die den Wiedereinstieg absolviert hatten.
Manchmal zahlt sich Schnelligkeit doch nicht aus. Mein Gebummel rettet mir den Reiseabschluss in Wiesbaden.
Eine knappe Stunde später als geplant, komme ich in Wiesbaden an. Hier ist der Bahnhof leer, ratzeputz. Anzeigetafeln voller nicht mehr fahrender Züge. Am beeindruckendsten ist allerdings die Ruhe.
Gute Nacht, DB!

24.10.23 Wiesbaden

Vielleicht kennt ja jemand, der hier mitliest, die alten Usenet-Geschichten vom Bastard Operator From Hell (BOFH). Der hatte einen Kalender auf dem er für jeden Tag eine neue Ausrede finden konnte, warum die System nicht richtig funktionieren. Es gab da so Sachen, wie Sonnenflecken-Aktivitäten oder elektromagnetische Störstrahlung von einem defekten Satelliten.

Ich glaube jedenfalls, dass der BOFH zur Bahn gewechselt ist und dort sein Unwesen treibt. Sein Ausreden-Kalender ist allerdings ein anderer. Heute geht es mit 25 Minuten Verspätung los, es gab „Reparaturen“ am Zug. Deswegen fuhr der zweite Zugteil auch erst ab Leipzig mit, wurde dort aber gezwungenermaßen ans falsche Ende gekoppelt. Das sorgte dann in Erfurt für den üblichen Einsteigespass.

Und es nimmt seinen Lauf. Der optimistische Navigator zeigt eine pünktliche Ankunft in Wiesbaden und bis Frankfurt wird die Verspätung immer kleiner. Das kenne ich schon und ich ahne das Ergebnis voraus. In Frankfurt sind es fast 30 Minuten Verspätung und die auf den TGW in Richtung Frankreich gebuchten Gäste werden gebeten, sich umgehend am DB-Info-Schalter zu melden. Der TGW kann nicht warten. Kann er wirklich nicht, er hat noch einen straffen Zeitplan bis Paris, da kann er sich doch nicht von der maroden Bahn, den Fahrplan kaputt machen lassen. Seit es den IC nach Interlaken nur noch bis Basel SBB gibt, glaube ich ja, dass unsere Nachbarn uns so langsam vom Rest des europäischen Netzes abhängen.

Bloß gut dass wir Stuttgart 21 haben, das bestimmt 27 fertig wird. Das löst alle Probleme der Bahn, genau wie unser Hauptstadt-Flughafen und andere tolle Infrastrukturprojekte…

So, aber ganz sicher wird auf den letzten Metern von Frankfurt nach Wiesbaden noch etwas herausgeholt. Mit nur 14 Minuten Verspätung soll ich ankommen. Eigentlich wollte ich jetzt schreiben: „Es wird spannend…“, aber das wird es vermutlich nicht.
Naja, wenige Minuten nach der Ausfahrt aus dem Frankfurter Hauptbahnhof, schreibt mir der Navigator, dass es jetzt doch mindestens 21 Minuten Verspätung bis Wiesbaden werden. Auch meine Zugbindung wird aufgehoben (wieder mal). Das ist schon witzig, denn dann könnte ich ja am Frankfurter Flughafen oder in Mainz den Zug wechseln, um noch etwas später anzukommen.

20.10.23 ein Freitag

Rückfahrt von Offenburg. Wie schon so oft, der ICE schon mit etwas Verspätung aus Basel kommend, verlor auf dem Weg zu meinem Umsteigebahnhof in Frankfurt noch ein paar zusätzliche Minuten. Gleichzeitig vermeldete die neue Bahn-App, dass mein Anschlusszug diesmal wieder nur aus einem Zugteil bestehen wird.


Ergo, war der Sitzplatz umsonst reserviert, denn diesmal hatte ich einen Platz in einem der zurückgelassenen Waggons. Gleichzeitig wurde wieder die Zugbindung aufgehoben, weil ich meinen Anschluss nicht schaffen würde.
Aus der Erfahrung der letzten Wochen heraus würde ich behaupten wollen, dass sich der Erwerb eines Flextickets kaum noch lohnt.

Die neue Bahn-App bietet gleich Alternativen, und wenn man diese bestätigt, wird der Fahrplan gleich angepasst. Das ist definitv eine Verbesserung, denn vorher war das kontrollieren der Anschlussverbindungen mit dem alten Ticket und den neuen Zügen recht aufwändig. Als ich aber einen Sitzplatz in meinem Alternativzug buchen wollte, gab es diese Option nicht mehr. Es ist mir nicht gelungen eine Reservierung ohne Fahrkarte zu bekommen. Minuspunkt!
Meine Fahrkarte passte eben nicht zum neuen Zug, da gab es auch keinen Sitzplatz. Ein Teufelskreis!
Ich habe einfach darauf vertraut, dass es im Alternativzug schon irgend ein freies Plätzchen für mich und meinen Rucksack geben würde.
Das Kuriose war, dass meine neue Verbindung einfach aus einem Wechsel des Umsteigebahnhofs bestand. Statt in Frankfurt, wo ich meinen Zug verpassen würde, sollte ich erst in Fulda umsteigen, weil die beiden Züge dort noch ein Rondevezous haben würden.

Wir hielten aber nochmal recht unmotiviert vor Frankfurt und der Navigator meldete auch prompt eine Anpassung. Wartezeit in Frankfurt 40 Minuten, dann in den ICE 72 Richtung Berlin einsteigen und in Leipzig in den IC 20irgendwas wechseln. Ankunftszeit 57 Minuten nach dem regulären Eintreffen. Der Zugbegleiter hatte aber eine andere Idee. Gäste nach Leipzig und Dresden sollten doch bitte in Frankfurt in einen IC über Naumburg nach Leipzig umsteigen. Mmh, der wurde mir gar nicht angeboten. Wieder den Navigator gestartet und gesucht. Der neue Navigator bietet mir an prominenter Stelle jetzt die Abfahrtspläne eines Bahnhofs an. Pluspunkt. Gut möglich, dass das der alte auch schon konnte, aber da war es zu gut vor mir versteckt.
Der vorgeschlagene Zug sollte zwar eher in Frankfurt abfahren, aber er wäre definitiv fast eine Stunde später in Leipzig eingefahren. Keine echte Alternative, der Navigator war hier also verlässlicher.


Nach einiger Warterei konnte ich dann den ICE 72 entern und fand auch einen freien Sitzplatz. Dort versuchte ich über die Bahn.de Homepage eine Reservierung für meinen IC von Leipzig aus zu reservieren. Ergebnis: Geht auch nicht mehr. Das ist wirklich komisch, oder zu gut versteckt.

Bei der Gelegenheit wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass mein in drei Stunden fahrender IC, der in Leipzig startet und nirgendwo herkommt mit 23 Minuten Verspätung abfahren wird. Verdammt, und den vorher fahrenden RE würde ich dank der Verspätung meines ICE auch nicht schaffen. Jetzt waren es also schon prognostizierte 80 Minuten Verspätung.


Das würde zwar wieder einiges an Ticketkosten sparen, aber mein Wochenende wird kürzer.
Der Ersatz-IC war dann eine wirkliche Überraschung. Der letzte Waggon war ähnlich, wie in „Beat Street“ mit Graffiti verschönert worden. Die Türen waren, die alten Klapptüren und in der Aufteilung erinnerte er mich stark an den Flixtrain, aber in „noch älter“. (N)ostalgie-Feeling.
Diesem Umstand zum Trotz, fuhr er schnell und ohne weitere äußere Behinderung nach Hause.

Im Ergebnis kann man feststellen, ob mit dem Auto oder der Bahn, man kommt an einem Freitag niemals pünktlich an, wenn man von West nach Ost fährt. Jetzt bräuchte man noch Erhebungen, ob das Auto oder der Zug hier schneller waren, ich würde auf den Zug tippen. Gesamtfahrzeit 7:30 Std. mit Weg zum und vom Bahnhof rund 8 Stunden, mit Feierabendbier und Nickerchen.

Danke Deutsche Bahn.

27.07.2023 – Rückfahrt Offenburg

Die Hinfahrt lies ja schon vermuten, dass der Rückweg auch nicht ganz unkompliziert werden würde. Immerhin repariert sich so eine Brücke vermutlich nicht über Nacht. Interessant, in diesem Zusammenhang, wird mit Sicherheit meine Fahrt nächste Woche ins geliebte Wiesbaden.

Beim Frühstück im Hotel schnell den Navigator geöffnet und natürlich mitgeteilt bekommen, dass meine Verbindung nicht funktionieren wird, weil alle Züge um Frankfurt so ca. 20 Minuten Verspätung ansammeln werden. Ich würde als meinen Anschluss in Fulda (anstelle von Frankfurt) also um rund 10 Minuten verpassen.

Zudem war noch unsicher, wann ich mich in das Abenteuer Bahn stürzen können würde, weil mein Termin zwar offiziell um 13 Uhr zu Ende sein sollte, man aber gern etwas überzog. Vor allem bei dieser geplanten Mammutroute.

Meine offizielle Rückfahrt hatte ich für halb vier gebucht, mit ausreichendem Puffer. Durch die geänderte Verbindung wäre ich jetzt allerdings nicht zur geduldeten Heimkehrzeit von 21:30 Uhr gelandet, sondern gut eine reichliche Stunde später, mit der Option um eine weitere Stunde.

Ich beendet also mein Frühstück und machte mich schnell auf zum Termin, da auf dem Weg dahin der Bahnhof mit seinem Reisezentrum lag.

Nur zwei Leute vor mir und kurz vor acht, auch noch ein frischer Reisezentrumsmitarbeiter. Der hörte sich meine Geschichte an und während ich ihm noch darlege, dass ich eine Verbindung ab 14 Uhr über Baden-Baden bevorzugen würde, hatte er kurzerhand mein Ticket ausgedruckt und mit einem Stempel namens „Zugbindung aufgehoben.“ abgestempelt. Ich vergaß zu erwähnen, dass ich dieses mal ein Sparticket gebucht hatte, weil die Preis für die regulären Tickets doch recht intensiv waren.

Meine Mammutberatung gestaltete sich anfangs tatsächlich in Richtung Zweitübernachtung. Aber einige andere mussten auch weg, deshalb wurde zum Ende hin Druck gemacht. Ich war der letzte Speaker und konnte meinen Vortrag locker um 20 Minuten kürzen. (…wegen der vielen Abreisenden)

Ein freundlicher technischer Leiter, lies es sich nicht nehmen, mich mit zum Bahnhof zu nehmen. Und so kam ich dort schon um 13:30 Uhr an. Wahnsinn. Was ich gar nicht mehr auf dem Schirm hatte, dass ja meine Zug von Interlaken nach Hamburg, den ich um 15:3x Uhr nehmen wollte, ja auch eine getaktete Linie ist, und demzufolge um 13:3x Uhr sein Vorgänger abfahren würde. Bloss gut, dass ich keine Mätzchen veranstaltet hatte und gleich zur Anzeigetafel gegangen war. Ein Blick, ein kurzer Sprint und ich saß auf einem Bahnbonusplatz und rollte Richtung Fulda. Zwei Stunden eher als geplant.

Ab da war es dann eigentlich recht entspannt. Im besten aller Fälle wäre ich zwei Stunden früher zu Hause, im schlechtesten zur geplanten Zeit. Die Fahrzeit würde bei viel Pech nur eben zwei Stunden länger dauern. Das ist überlebbar, aber nach acht Stunden Bahnfahrt, ist das Sitzfleisch doch recht angeschlagen.

Ok, das Wunder von Fulda bleib aus und ich kam circa zehn Minuten nach der besten aller Anschlussvarianten an. Das bedeutete vierzig Minuten Bahnhof Fulda. Erstaunlich was dort an Güterzügen durch die Bahnsteige rasselt. Nicht schlecht.

Dann mein Intercity nach Berlin mit dem für mich entscheidenden Zwischenhalt in Leipzig. Start mit einer Viertelstunde Verspätung, Umsteigezeit in Leipzig volle 6 Minuten. Erfahrungsgemäß zu knapp, wenn der Anschlusszug nicht wartet.

Aber er wartete! Der ICE 2047 von Stuttgart-Dresden wartete an Gleis 15, ich stieg Gleis 13 (schon in der Halle) aus und musste nur zum ersten Wagen. Der 2047 ist ein Doppelstock-ICE, deshalb nahm ich mir einen Sitzplatz im ersten Stock und genoß die Fahrt nach Hause, bei einem kleinen Pils. Manchmal muss das sein.

26.07.2023 – Offenburg

Der Sommer geht dahin, Urlaub ist auch vorbei und der Offenburg Kund möchte einen persönlichen Termin. Also steige ich von meiner Sommerpause aus, und begebe mich wieder auf Abenteuerreise.

Ich dacht ja zwischenzeitlich, ich müsste meinen Blog schließen, weil nichts mehr passiert, aber es gibt ja nicht nur die Bahn bestehend aus Zügen und Mitarbeitern, sondern auch die Infrastruktur. Fefe wirft in solchen Momenten immer ein „Infrastrukturapokalypse“ unters Volk, und diesmal erwischt sie mich.

Beim Verlassen des Hauses und der Kontrolle der Bahndaten, erfahre ich, dass es bei Frankfurt einen Brückenschaden gibt. Der Frankfurter Hauptbahnhof wird von meinem ersten Zug erreicht, aber der Anschlusszug (Hamburg-Interlaken) hält abweichend in Frankfurt-Süd. Die Umsteigezeit war mit 9 Minuten sowieso sehr sportlich angesetzt, aber einen Umstieg von Hauptbahnhof nach Süd schafft nicht mal einer der Avengers.

Die Recherche per App geht also wieder los. Alles was rauskommt, ist eine stundenlange Verspätung in Offenburg. Das will ich aber nicht, weil ich erstens mit einem alten Freund verabredet bin und ich nicht stundenlang auf zugigen Provinzbahnhöfen verbringen will.

Also checke ich, wo der HH-Interlaken überall so hält. Beide Züge halten in Fulda. Die Umsteigezeit beträgt zwar nur 5 Minuten, also eigentlich unschaffbar, aber es ist das Gleis gegenüber…

Ich mache mich also Mittags auf zum Bahnhof und beginne meine Reise. Vor Fulda haben wir nur wenige Minuten Verspätung und die Hoffnung auf eine unbeschwerte Weiterreise im „richtigen“ Zug wächst. Das ich erst ab Frankfurt einen gebuchten Sitzplatz habe, ist mir da egal. Lieber im Speisewagen gestanden als auf dem Bahnsteig.

Und es kommt die Ansage, das bitte alle Passagiere die in Richtung Interlaken wollen, bitte schon hier umsteigen sollen. Zug gegenüber rollt gerade aus Richtung Kassel ein, Sitzplatz ist frei. Sauber, in Offenburg sind es nur 20 Minuten Verspätung. Warum aber wird diese Verbindung nicht in der App angezeigt? Kann ich nicht verstehen.

18. April 2023 – Wiesbaden

Zur Einstimmung, die Mitteilung während des Halts in Frankfurt/Main, sozusagen im Zieleinlauf:

Mittlerweile: (man beachte die obige Prognose) um 20:05 Uhr

Der ICE steht kurz hinter Mainz in einer Reihe mit anderen Zügen und S-Bahnen vor Wiesbaden, weil eine Person von einer vorausfahrenden S-Bahn erfasst wurde.

Also rollt nach ca. 15 Minuten Aufenthalt unser ICE rückwärts nach Mainz und dann beginnt die Suche nach einer alternativen Reisemöglichkeit.

Auf dem Bahnsteig erwarten uns Rettungssanitäter und Polizei und wollen von uns wissen, wo der Verletzte ist?. Wir wissen es auch nicht genau, nur dass er nicht in diesem Zug ist, sondern auf der Strecke nach Wiesbaden.

Was da wohl bei der Nachrichtenübermittlung schief gegangen ist?

Ich überlege ob ich den Bus nehme, laufe oder die knapp 8 Kilometer mit dem Taxi zurücklegen soll, als die Anzeige verkündet, dass um 20:23 ein RB75 nach Wiesbaden fährt.

Also am Ende nur eine Stunde Verspätung. Nicht schlecht.

17. Januar 2023 – Wiesbaden

Die erste Fahrt seit September letzten Jahres, die einer Erwähnung würdig ist.

Bis Bad Hersfeld war es eine völlig unkomplizierte und unaufgeregte Fahrt. Da mein ICE diesmal von vornherein nicht nach Wiesbaden fuhr und ich in Frankfurt ohnehin auf die S-Bahn oder VIAS wechseln musste, war ich auch ganz entspannt.

17:32 Uhr zappelt die Uhr am Handgelenk, Liebesbotschaften von der DB-Navigator:in.

1. Mal – Baum auf Oberleitung!

Macht ja nichts, der VIAS fährt jede halbe Stunde und zwischen den Bahnsteigen gibt es ja den Verbindungstunnel. Von 6 auf 24 braucht man keine 10 Minuten, wenn man nah am Tunnel ist, wenn man rennt, wenn man Glück hat.

Also geht es über Aschaffenburg nach Frankfurt.

Ankunft in Frankfurt, Sprint zur 24, kein VIAS!

Na gut, also auf zur S-Bahn im Tiefbahnhof. Die S9 fährt als nächstes. Aber da wurde die Rechnung ohne die Bahn gemacht.

Ob es am Baum oder am Stellwerk lag, vermag ich nicht zu sagen, aber wir fuhren im Schritttempo von Bahnhof zu Bahnhof, weil immer ein vorausfahrender Zug uns zum Bremsen zwang. Irgendwann sah sich sogar der Lokführer genötigt, die automatische Ansage zu ergänzen, dass das wirklich Mist sei, aber eben leider nicht zu ändern.
Ab Mainz-Kastell ging’s dann wieder vorwärts und um 21:00 Uhr war ich am Hotel.

Ein bisschen später als erwartet, aber endlich wieder mit etwas Stoff für das Tagebuch.

2. Februar 22 – Frankfurt-Dresden

Dies ist meine erste Reise, zu der ich mir einige Notizen gemacht habe. Der Teil mit der DB ist dabei nur ein Aspekt einer skurrilen Reise. Jedenfalls markiert dieser Beitrag den zeitlichen Beginn dieses Tagebuchs. Es war nach vielen Jahren auch tatsächlich eine der ersten von mir absolvierten Fernreisen mit der Bahn. Im übrigen gibt es für den Verlauf dieser Reise noch lebende Zeugen.

Zur Geschichte: Wir (5 Familienmitglieder) waren im Winterurlaub auf Madeira. Dort ereilte uns, neben einem folgenlosen nächtlichen Erdbeben (4,8 auf der Richter-Skala), auch ein heftiger Sturm zur Abreise. Wer den Flughafen in Funchal kennt, wird wissen, dass dann flugtechnisch nichts mehr geht. Die Deutsche Bahn fährt auf Madeira natürlich auch nicht, aber dazu später.

Unsere Abreise verschob sich also um rund 40 Stunden und statt mit der Lufthansa flogen wir zuerst mit TAP nach Lissabon und dann eine reichliche Stunde später nach Frankfurt. Der Weiterflug mit der Lufthansa war dann noch einmal sieben Stunden Wartezeit entfernt. Für uns als Reisegesellschaft zu lange. So eine mehrtägige Rückreise zehrt unheimlich an der Substanz…

Wir versuchten einen Mietwagen zu bekommen. Die Mitarbeiter an den vier großen Verleihstationen waren sehr mitfühlend, aber machtlos. Nichts für fünf mit Gepäck zu bekommen. Zweite Variante Zug. Wir gehen also zum Info-Schalter und lassen uns eine Verbindung heraussuchen. Sieht gut aus und garantiert einen wesentlich verbesserten Ankunftszeitpunkt daheim, als der Flug. Mein Versuch, das letzte Flugsegment in ein Bahnticket zu tauschen, ging natürlich nach hinten los. Aber daran ist man ja mittlerweile gewöhnt.

Während die freundliche Mitarbeiterin im Info-Schalter unser Ticket jenseits der 300 €-Schmerzgrenze löst, betreten bewaffnete Beamte den Raum und riegeln ihn ab. Ein herrenloses Gepäckstück war von einem anderen Bahnbeamten gemeldet worden. Die Kollegen von der Eingreiftruppe beginnen mit der Räumung der Dependance. Nur dem geistesgegenwärtigen Eingreifen meiner Ticket-Dealerin mit einem: „Moment ich muss noch Ausweis und Kreditkarte zurückgeben.“, und der Übergabe der Dokumente mit ausgedrucktem Ticket, war es zu verdanken, dass wir wenig später, gruppiert um einen Tisch im ICE in Richtung Heimat unterwegs waren.

Jetzt kommt, für alle Interessierten, der Teil mit der Bahn.

Bis Eisenach verläuft alles unauffällig. Dann bleiben wir stehen. Das Licht geht aus, die Vibrationen verlaufen sich und alles ist still. „Krächz, knarz… Wir bitten den Halt zu entschuldigen. Wir müssen einen Reset der Batterie durchführen.“ Nun bin ich kein Technikexperte und frage mich, was man an einer Batterie zurücksetzen kann, aber ich vermute, dass diese Aussage für noch weniger Technikbegabte als Ausrede reichen muss.
Dieses Spiel wiederholt sich noch zweimal, bevor ein erleichterter Zugbegleiter uns mitteilen kann, dass es nun weitergeht.

Wenn ich mich recht erinnere, waren wir mit etwa 30 Minuten Verspätung am Ziel. Das war, für mein heutiges Verständnis, sehr pünktlich und wir hatten immer noch einen Vorsprung von rund 120 Minuten vor dem Flieger.

Also nochmal zum Rekapitulieren: Erdbeben, Sturm, Bombenkoffer, Batterie-Reset innerhalb von 72 Stunden!